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Erster Jahrestag des Todes von Slavko Avsenik

Am 2. Juli wird schon ein Jahr vergangen sein, seitdem es Slavko Avsenik nicht mehr unter uns gibt. Es scheint so, als ob sich in vergangenen vier Jahreszeiten nichts geändert hat: Wie schon seit vielen Jahren sind Slavko und Vilkos Melodien noch immer in unserem Leben anwesend. Jedoch gibt es viele von uns, die Slavkos nettes Wort, respektvolles Lachen und ein weit geöffnetes Herz für alle Menschen dieser Welt, unendlich vermissen. Mir fehlt noch mehr sein Musizieren am Pianino in der Ecke seines Wohnzimmers in Begunje und ich vermisse auch seine Einladungen an mich, ihn wieder besuchen zu kommen. Ich hatte nämlich das unendliche Glück und Ehre, sein Mitarbeiter und Freund zu sein. Wir verbrachten unendliche Stunden Meinungen über das Schicksal der Musik und unseren Landes auszutauschen.

Als wir uns zum letzten Mal begegneten, war er sich ein bisschen unsicher: Er sagte mir, dass er noch so viele Pläne im Leben hätte, dass er aber nicht sagen konnte, wie es mit seiner Gesundheit weiter ginge. In den letzten Jahren pflegte Slavko die Gewohnheit, auf die Frage nach seiner Gesundheit mit den folgenden Worten zu antworten:„Nun ja, man wird sehen, was passiert! So ist eben der Wille Gottes.“

Er war davon überzeugt, dass ihm sein Talent vom Himmel geschickt wurde und dass er mit seiner Musik lediglich den Willen einer höheren Gewalt ausfüllte. Dabei hatte er immer erneut hervorgehoben, dass das Wichtigste die Bestätigung seiner Musik von seinen Fans für ihn ist. Ohne dass die Menschen dein Talent erkennen, geht es ja doch nicht! Er hatte sich nie aufgedrängt und hatte immer ein positives Weltbild.

Am 2. Juli ist dann der Tumor soweit fortgeschritten, dass unserem Slavko nichts mehr helfen konnte. Eine Operation hatte er abgelehnt. Er konnte fühlen, dass sein Ende gekommen ist. Ich bekam die schreckliche Nachricht, als ich in Kroatien Urlaub machte. Ich bin sofort nach Hause gekehrt. Slavkos ältester Sohn, Slavko Jr., hatte mich gebeten, ein paar Worte auf seinem Begräbnis zu sagen. Slavko Jr. hatte mir gesagt, dass er der Meinung sei, ich wäre ein guter Kenner von Slavko und seiner Musik. In Gedanken habe ich angefangen, eine Abschiedsrede zusammenzusetzen:

„ Der König geht von uns. Der König der slowenischen Musik. Unser König.

Der König geht von uns, der seinen großen inneren Reichtum von seinen Jugendjahren an bis zum letzten Atemzug an seine Mitmenschen verschenkte. Dabei zeigte er stets unermessliches Vergnügen daran, dass er seine Gefühle mit uns teilen konnte, dass wir ihm sein Schaffen bestätigten und dass wir so fühlten, wie er... Aber eigentlich geht er nicht von uns, sondern er ist nur auf der Reise dorthin, wo er schon immer Daheim war: beim Gasthaus Joževc, auf den Bergeshöhn, dort wo seine Heimat ist, auf dem Golica und dem wunderschönen Begunjščica, beim Stelldichein in Oberkrain, auf den bildschönen Karawanken, unter den Mähern und Schnitterin, Jägern und Feuerwehrmännern, unter blühenden Kastanien… Er reist dorthin, wo er schon immer Daheim war. Er wird in den schönsten Gebieten unseres und des europäischen Heimatlandes ankommen – im unseren slowenischen Himmel.

Eigentlich kehrt er wieder nach Hause zurück.“

Slavko Jr. hatte im Namen der ganzen Familie eine rührende Rede gehalten, ebenso hatten auch andere Freunde und Kollegen von Slavko schöne Worte an ihn vergeben. Auch das nationale Fernsehen hatte Slavko seine letzte Ehre erwiesen. Slavkos Wert wurde erst jetzt richtig bestätigt! Zuvor schien er mehrmals wie ein einsamer Einzelbaum im Gebirge, der aus seinen Wurzeln heraus sang. Man hatte Slavko nie die richtige Anerkennung, die er verdiente, gezeigt, obwohl er und sein Bruder Vilko ein nie zuvor gehörtes, populäres Musikgenre erzeugt haben, das die Stimme Sloweniens über die ganze Welt erklingen ließ.

Ich würde gerne Lob an hunderte von slowenischen Musikern aussprechen, die trotz unerträglicher Hitze an dem Tag, in Slavkos Ehre die Nationaltracht trugen. Ich werde nie das Lied vergessen, das vom Slovenski oktet in der Kirche vorgetragen wurde. Natürlich hatten die Musik dazu die Brüder Avsenik verfasst. Die zart fühlenden Worte dazu hatte Avseniks Textschreiber Fery Souvan geschrieben.
„Kadar bom vandral zadnjič v življenju, ko bom za vedno tiho zaspal...“

Es schien, als ob Slavkos Melodie nicht nur an uns, sonders vor allem an Slavko selbst in diesem Moment gewidmet war...
Obwohl ich in jedem Gespräch betreute, dass ein Musikant nie von uns geht, und dass uns Slavko einen goldenen Erbe hinterlassen hat, muss ich zugeben, dass ich ihn die ersten Tage nach seinem Tod sehr vermisst habe. Diesen Verlust kann ich nur mit dem Verlust meines Vaters vergleichen…
Damit ich diesen Schmerz irgendwie überwinden konnte, haben wir eine Woche nach Slavko Begräbnis mit Freunden die Roblek-Hütte besucht. Dort habe ich ein Foto aus der Zeit entdeckt, als Slavko und Vilko noch kein Ensemble hatten, jedoch schon am Roblek spielten. Ich habe eines Morgens schon um vier Uhr in der Früh den Golica besteigt. Ich hab den Gipfel gerade beim Sonnenaufgang erreicht. Der Moment fühlte sich so an, also ob ich mit meinen Fingerspitzen den Himmel berührt habe, von dem Slavko jetzt auf uns runter schaut. Später haben wir mit Freunden noch den Triglav bestiegen. Ich habe für Slavko einen Text über den Aljaž-Turm verfasst. Damals erschien es mir, als ob mich in die Alpenhöhe nicht der Turm, sondern unser Volkskönig einlud.
Ich glaube, dass wir alle Stolz darauf sind, dass wir in Avseniks Zeitalter gelebt haben.

Nachdem Slavko von uns gegangen ist, hatte man mehrere Initiativen gestartet. Eine davon war Slavkos Geburtstag als den Tag der slowenischen Heimatsmusik zu feiern. An den Golica sollte eine Avsenik-Hütte stehen: Eine wunderschöne Idee, die vieleicht schon in ein paar Jahren Wirklichkeit wird. Auf dem Nationalsender sollte man – ähnlich wie in Wien die Musik von J. Strauss – Avseniks Konzerte für den ganzen europäischen Raum vorführen! In Begunje wird man ein Denkmal ans Slavko Avsenik errichten. Das Avsenik-Museum wird renoviert, Avseniks Musik-Schule wird stets gut besucht, regelmäßig werden verschiedene Veranstaltungen mit Avseniks Musik organisiert. Von weit und breit versammeln sich Massen von Fans in seinem Heimatort. Das ist nicht nur schön zu sehen, sondern auch das einzig Richtige!

Slavkos Musik lebt weiter. Überall, nicht nur in Slowenien. Sie lebt auf Veranstaltungen, in unserem Alltag, bei Feiertagen und in unseren Adern weiter.
Nur die Stimme, die mich mit folgenden Worten ruft, kann ich nicht mehr hören:
„Ivan, du musst mich mal wieder in Begunje besuchen! Ich habe eine neue Weise, die du dir anhören musst...“

Zum Glück hat mir Slavko Jr. anvertraut, dass er schon fast 1000 Fragmente von Melodien seines Vaters post festum gesammelt hat. Ein Tausend! Man müsste sie nur bearbeiten… Was bedeutet das in Wahrheit? Das Slavkos musikalisches Gold-Erbe auch in den Herzen weiterer Generationen leben wird.

Text und Bildquelle

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